Ein Gehäuseschrauben-Drehmoment von 0,4 Nm klingt nach einer Kleinigkeit. In einem Bildgebungsgerät, einem chirurgischen Antrieb oder einem Dentalimplantat-Instrument kann genau diese Verbindung über Funktion, Sterilisierbarkeit und - im Extremfall - Patientensicherheit entscheiden. Und spätestens beim nächsten Audit oder Rückruf entscheidet sie auch darüber, ob Ihr Unternehmen den Nachweis erbringen kann, dass jede einzelne Verbindung korrekt angezogen wurde.

Dieser Beitrag richtet sich an Fertigungs- und QS-Verantwortliche in der Medizintechnik, die verstehen wollen, was der regulatorische Rahmen konkret für den Schraubprozess bedeutet - und welche Werkzeuge dabei helfen, Präzision und Dokumentation sicher zu beherrschen.


Der regulatorische Rahmen: Was MDR, ISO 13485 und UDI vom Schraubprozess fordern

EU-Medizinprodukteverordnung (MDR) 2017/745

Die Medizinprodukteverordnung (EU) 2017/745 verfolgt das Ziel, die Sicherheit von Medizinprodukten über den gesamten Lebenszyklus weiter zu erhöhen. Für Hersteller bedeutet das konkret: Strengere Vorgaben für den Inhalt der Technischen Dokumentation sind verbindlich. Die Überwachung von Produkten sowie die eindeutige Produktidentifikation nach dem Inverkehrbringen erhalten eine größere Bedeutung.

Was das für die Montage heißt: Jede sicherheitsrelevante Verbindung muss nicht nur korrekt ausgeführt, sondern auch nachweisbar dokumentiert sein. Die technische Dokumentation muss eine Bewertung der Konformität des Produktes mit den Sicherheits- und Leistungsanforderungen der Verordnung ermöglichen und insbesondere Konstruktions- und Fertigungszeichnungen sowie Pläne von Bauteilen und Baugruppen enthalten.

ISO 13485 - Qualitätsmanagement mit Fokus auf Patientensicherheit

DIN EN ISO 13485 ist eine international anerkannte Norm für Qualitätsmanagementsysteme in der Medizintechnik, die sicherstellt, dass jedes Produkt, jede Komponente und jeder Prozess reproduzierbar, rückverfolgbar und kontrollierbar bleibt. Während andere Qualitätsstandards vor allem Effizienz und Kundenzufriedenheit in den Vordergrund stellen, steht bei ISO 13485 ein anderes Ziel im Mittelpunkt: Patientensicherheit. Der Zweck der Norm ist es, die regulatorische Konformität und die Sicherheit der Patienten zu gewährleisten.

Regulierungsbehörden, Benannte Stellen und OEMs verlangen heute nicht nur die Einhaltung dieser Norm, sondern den nachweisbaren Nachweis ihrer Umsetzung - auditfähig, reproduzierbar und dokumentiert.

Für den Schraubprozess bedeutet das: Anzugsparameter müssen validiert, Werkzeuge kalibriert und Ergebnisse revisionssicher archiviert sein. Die Norm schreibt strenge Anforderungen an dokumentierte Prozesse, Rückverfolgbarkeit und Produktrealisierung vor. Insbesondere bei der Montage, Prüfung und Validierung jedes einzelnen Geräts muss jeder Schritt nachvollziehbar und standardisiert erfolgen.

Device History Record (DHR) - der Montage-Nachweis pro Einheit

Sowohl die Produkte selbst als auch die Fertigungsprozesse müssen den gesetzlichen Auflagen entsprechen - für die Rückverfolgbarkeit und die Prüfungen der Komponenten, die Speicherung und den Zugriff auf den Bericht der Gerätehistorie (Device History Record, DHR) sowie den Nachweis der Prozesseinhaltung.

Der DHR ist der ausgeführte, zeitgestempelte Satz von Fertigungs- und Qualitätsaufzeichnungen, der nachweist, dass jede Einheit eines Medizinprodukts gemäß dem Device Master Record und dem Qualitätssystem des Herstellers gebaut, geprüft, gekennzeichnet und freigegeben wurde. Im Klartext: Wenn ein Schraubschritt im DHR fehlt oder nicht rückverfolgbar ist, fehlt ein Glied in der Nachweiskette - mit potenziell gravierenden Folgen bei Audits, Rückrufen oder Haftungsfragen.

UDI - Rückverfolgbarkeit bis zur Serieneinheit

Die europäische Medizinprodukteverordnung verlangt von Herstellern das Anbringen einer Unique Device Identification (UDI). Die UDI ist eine Zeichenfolge, die eine eindeutige Identifizierung einzelner Produkte auf dem Markt ermöglicht. Ziel der EU ist es, Medizinprodukte rückverfolgbar zu machen, die Marktüberwachung zu verbessern und die Sicherheit von Medizinprodukten zu erhöhen.

Die UDI verknüpft das fertige Produkt mit seiner Herstellungshistorie - einschließlich der Montageschritte. Wer Schraubdaten nicht serieneinheitenbezogen erfasst, kann diese Verknüpfung im Ernstfall nicht herstellen.


Warum kleine Drehmomente besonders kritisch sind

In der Medizintechnik dominieren Verbindungen im Bereich von 0,1 bis 10 Nm. Gehäuseschrauben an tragbaren Diagnostikgeräten, Antriebseinheiten in chirurgischen Instrumenten, Optikhalterungen in Bildgebungssystemen, Implantat-Abutments in der Dentaltechnik - sie alle liegen in einem Bereich, in dem handgeführte Werkzeuge ohne Messtechnik schlicht nicht ausreichen.

Die Herausforderungen sind bekannt:

  • Reibungseinflüsse durch Beschichtungen, Schmiermittel oder Reinraumkompatible Materialien (Titan, PEEK, Edelstahl) verändern das Anzugsergebnis erheblich.
  • Kleine Toleranzfenster: Zu wenig Drehmoment bedeutet Spielpassung und Funktionsausfall; zu viel bedeutet Materialschaden oder Gewindeabriss - beides ist in einem Medizinprodukt inakzeptabel.
  • Reinraumbedingungen schränken die Werkzeugwahl ein: Kein Druckluft, keine Partikelquellen, eingeschränkte Bewegungsfreiheit.
  • Kleinserie und Einzelfertigung: Viele Medizintechnikhersteller produzieren in kleinen Stückzahlen. Jede Einheit muss dennoch dieselbe Dokumentationstiefe erreichen wie eine Großserie.
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In der Medizintechnik gilt: Ein nicht dokumentierter Schraubschritt ist aus regulatorischer Sicht ein nicht ausgeführter Schraubschritt. Die Beweislast liegt beim Hersteller – nicht bei der Benannten Stelle.


Prozessanalyse vor der Serie: QUANTEC MCS® als Schraublabor

Bevor ein Schraubprozess in die Serienmontage überführt wird, muss er verstanden sein. Welches Drehmoment erreicht die Verbindung tatsächlich? Wie verhält sich der Anzugsverlauf bei unterschiedlichen Losmomenten? Gibt es Stick-Slip-Effekte durch die verwendeten Materialien?

Das QUANTEC MCS® Analysewerkzeug liefert genau diese Antworten. Mit seiner festpunktlosen Drehwinkelmessung erfasst es Drehmoment und Drehwinkel simultan - ohne die Messungenauigkeiten, die bei festpunktbasierten Systemen durch Reaktionsmomente entstehen. Die Genauigkeit liegt bei ±1 % zwischen 10 und 100 % des Nennbereiches. Die robuste Alu-Titan-Konstruktion ist auch unter anspruchsvollen Bedingungen dauerhaft präzise.

Das QUANTEC MCS® ist kompatibel mit QuanLabPro, Ceus und QS-Torque - die Schraubkurven lassen sich direkt in die Prozessdokumentation überführen und bilden die Grundlage für die Parametervalidierung nach ISO 13485. Für Medizintechnikhersteller, die keine eigene Messtechnik vorhalten wollen, steht das Gerät auch über GWK ToolRent® auf Wochen-, Monats- oder Jahresbasis zur Verfügung - kalibriert, versandfertig, weltweit.

Isometric close-up illustration of a precision torque analysis tool being used on a small medical device housing assembly, clean white workbench, minimal components, soft laboratory lighting from aboveKI-generiertes Bild

Serienmontage mit Nachweis: OPERATOR® Produktionswerkzeug

Ist der Prozess analysiert und validiert, kommt es auf die reproduzierbare Ausführung an - Einheit für Einheit, mit lückenlosem Datensatz.

Das OPERATOR® Produktionswerkzeug wurde für genau diese Anforderung entwickelt. Jeder Anzugsvorgang wird mit Zeitstempel, Drehmoment- und Drehwinkelwert erfasst und per WLAN-Datenübertragung direkt in das QM-System übermittelt. Das modulare Wechselvierkant-System erlaubt den schnellen Werkzeugwechsel zwischen verschiedenen Verbindungstypen - relevant für Medizintechnikhersteller, die in einer Montagelinie unterschiedliche Gerätetypen in kleinen Stückzahlen fertigen.

Für Anlagen mit SPS-Anbindung steht der OPERATOR® EST01 mit Open Protocol-Kommunikation zur Verfügung. So lassen sich Schraubdaten direkt in übergeordnete MES- oder QM-Systeme schreiben - und der DHR-Eintrag entsteht automatisch, ohne manuelle Nacherfassung.

Sie entwickeln oder fertigen Medizinprodukte und möchten wissen, ob Ihre Schraubprozesse MDR- und ISO-13485-konform dokumentiert sind? Sprechen Sie mit unseren Anwendungsingenieuren.

Kostenlose Schraubprozess-Analyse anfragen

Qualitätssicherung und Audit: Q-CHECK® im laufenden Betrieb

Ein validierter Prozess bleibt nur dann valide, wenn er regelmäßig überprüft wird. Werkzeugdrift, Verschleiß oder veränderte Reibungsverhältnisse durch neue Chargen von Befestigungselementen können die tatsächlichen Anzugsergebnisse vom Sollwert entfernen - ohne dass dies im Produktionswerkzeug sichtbar wird.

Das Q-CHECK® QS- und Audit-Werkzeug ist für genau diese Aufgabe ausgelegt. Es misst das Weiterdrehmoment an bereits angezogenen Verbindungen und ermöglicht so die Prozessfähigkeitsuntersuchung (PFU) nach VDI/VDE 2645-3. Der Q-CHECK® arbeitet im Bereich von 3 bis 1000 Nm mit einer Genauigkeit von ±1 % zwischen 10 und 100 % des Nennbereiches und verfügt über 2 GB internen Speicher.

Für Audits durch Benannte Stellen oder interne QM-Überprüfungen liefert der Q-CHECK® auditfähige Messprotokolle - ein direkter Beitrag zur Nachweisführung nach ISO 13485 Kapitel 7.5 und zur Technischen Dokumentation nach MDR Anhang II.


DAkkS-akkreditierte Rückführbarkeit: die Basis jeder Messung

Alle Messungen sind nur so gut wie die Kalibrierung der eingesetzten Werkzeuge. In der Medizintechnik ist die messtechnische Rückführbarkeit keine Option, sondern regulatorische Pflicht. Die Norm stellt erhöhte Anforderungen an die Dokumentation von Prozessen und Entscheidungen. Eine lückenlose Rückverfolgbarkeit ist essenziell, um im Falle eines Problems schnell reagieren zu können.

GWK betreibt ein DAkkS-akkreditiertes Kalibrierlabor - stationär und mobil. Die DWPM-1000® vollautomatische Prüfmaschine kalibriert Drehmoment- und Drehwinkelschlüssel nach Genauigkeitsklasse 0,2. Kalibrierzertifikate sind damit national und international anerkannt und direkt in die Technische Dokumentation einbindbar.


Werkzeugauswahl auf einen Blick

GWK-Werkzeuge für die Medizintechnik-Montage
AufgabeGWK-WerkzeugRegulatorische Relevanz
Prozessanalyse & ParametervalidierungQUANTEC MCS® AnalysewerkzeugGrundlage für Prozessvalidierung nach ISO 13485 Kap. 7.5
Dokumentierte SerienmontageOPERATOR® ProduktionswerkzeugDHR-Einträge, Rückverfolgbarkeit je Serieneinheit
SPS-/MES-AnbindungOPERATOR® EST01Automatische Datenübergabe, Open Protocol
Prozessfähigkeitsuntersuchung & AuditQ-CHECK® QS- und Audit-WerkzeugPFU nach VDI/VDE 2645-3, Auditnachweis
DAkkS-KalibrierungDWPM-1000® PrüfmaschineMesstechnische Rückführbarkeit, Klasse 0,2
Flexibler Einstieg / ProjektbedarfGWK ToolRent®Kalibrierte Geräte auf Abruf, ohne Kapitalbindung

Interaktives Tool: Welches GWK-Werkzeug passt zu Ihrer Aufgabe?


Fazit: Präzision und Nachweis gehören zusammen

Die MDR (EU) 2017/745 und ISO 13485 formulieren keine abstrakten Qualitätsziele - sie fordern konkrete, nachweisbare Prozesse. Für Schraubverbindungen in Medizingeräten bedeutet das: reproduzierbare Anzugsergebnisse, rückverfolgbare Dokumentation je Serieneinheit und eine messtechnisch rückführbare Kalibriergrundlage.

Das GWK-Werkzeugsystem deckt diesen Anforderungsbogen vollständig ab - von der Prozessanalyse mit dem QUANTEC MCS® über die dokumentierte Serienmontage mit dem OPERATOR® bis zur laufenden Qualitätssicherung mit dem Q-CHECK® und der DAkkS-akkreditierten Kalibrierung. Für Kleinserien, Reinraumumgebungen und wechselnde Gerätetypen ist das modulare Wechselvierkant-System des OPERATOR® ebenso geeignet wie der flexible Einstieg über GWK ToolRent®.

Accuracy by GWK.

help_outlineWelche Drehmomentbereiche sind in der Medizintechnik typisch?expand_more

Die meisten Verbindungen in Medizingeräten liegen zwischen 0,1 und 10 Nm – von Mikrogehäuseschrauben in tragbaren Diagnostikgeräten bis zu Antriebseinheiten in chirurgischen Instrumenten. Einige Anwendungen in der Bildgebung oder bei Dentalimplantaten liegen auch im Bereich bis 50 Nm. Entscheidend ist nicht der absolute Wert, sondern die Reproduzierbarkeit und die Dokumentation jedes Anzugsvorgangs.

help_outlineMuss jeder Schraubschritt im DHR dokumentiert werden?expand_more

Das hängt von der Risikoklasse des Produkts und der internen Risikoanalyse ab. Grundsätzlich fordert ISO 13485 Kapitel 7.5 Aufzeichnungen für jeden Produktionsschritt, der die Produktkonformität beeinflusst. Sicherheitsrelevante Schraubverbindungen – z. B. an Gehäusen, die Schutzfunktionen übernehmen, oder an Antrieben – sind in der Regel dokumentationspflichtig.

help_outlineSind GWK-Werkzeuge reinraumgeeignet?expand_more

Der OPERATOR® und der Q-CHECK® sind für den Einsatz in kontrollierten Umgebungen ausgelegt. Für spezifische Reinraumanforderungen (z. B. ISO-Klasse 5 oder 7) empfehlen wir eine direkte Abstimmung mit unseren Anwendungsingenieuren, da Materialien, Oberflächen und Partikelabgabe je nach Reinraumklasse unterschiedlich bewertet werden müssen.

help_outlineWie lange dauert eine DAkkS-Kalibrierung bei GWK?expand_more

Die Kalibrierung im stationären DAkkS-akkreditierten Labor erfolgt in der Regel innerhalb weniger Werktage. Für zeitkritische Situationen steht der mobile Kalibrierservice zur Verfügung – direkt vor Ort beim Kunden, ohne Produktionsunterbrechung durch Werkzeugversand.

help_outlineKann ich GWK-Werkzeuge für ein Entwicklungsprojekt mieten, bevor ich investiere?expand_more

Ja. Über GWK ToolRent® sind QUANTEC MCS®, OPERATOR® und Q-CHECK® auf Wochen-, Monats- oder Jahresbasis mietbar – inklusive Kalibrierung und weltweitem Versand. Das ermöglicht die Prozessvalidierung und Parameterermittlung, bevor eine Investitionsentscheidung getroffen wird.

auto_awesome Dieser Artikel wurde mithilfe von KI erstellt.